Kunst mit Hühnern – eine schöne Herausforderung für Künstler

 

Das Huhn ist wahrlich eine schöne Vorlage für Künstler. Sein Lauf und die Zehen, aber auch der Kopf, der Kamm des Hahns und der breite Brustkorb: Hühner sind in der Kunst wahrlich nicht fehl am Platz. Eine, die Hühner zu einem ihrer liebsten Kunstobjekte gemacht hat ist Bettina Reichl. Die Künstlerin lebt in Zürich und malt Hühner in vielen auch ungewöhnlichen Farben und Facetten.
 

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So genau weiss man es nicht. Aber es wird etwa 3000 vor Christus gewesen sein, als der Mensch auf das Huhn gekommen ist. Damals im südostasiatischen Dschungel begann die Beziehung zwischen Huhn und Mensch. Dort existierte bereits das wilde Bankivahuhn, bekannt als Gallus Gallus. Es lebt noch heute dort und gilt als Urahn unserer heutigen Hühnerrassen. Mit seinem Kamm ähnelt es der heutigen Italiener-Rasse, und wer einen Hahn vor Augen hat weiss: das ist der Bilderbuch-Hahn, der stolz umherstolziert.

Der Mensch zähmte das Huhn

Die Annäherung des Menschen an das Huhn geschah langsam und nicht im schnellen Hühnertempo. Zuerst waren die Eier aus dem Nest eines Wildhuhns eine willkommene Bereicherung des Speisezettels. Auch das Fleisch assen die Menschen in der Antike, und das recht gerne. In der Folge zähmten die Menschen einige der zutraulicheren Wildhühner und kreuzten wilde Artsgenossen.

 

Die Kunst mit Hühnern war noch nicht geboren

Die Kunst mit Hühnern, das merkt der wohlgesinnte Leser, war da noch nicht geboren. Vielmehr begann eine lange Zuchttradition, die bis heute anhält. Die unterschiedlichsten Rassemerkmale gingen daraus hervor. Schönheit, Kampfeslust, guter Fleischansatz und hohe Legeleistung standen seit jeher im Zentrum. Immer weiter verbreiteten sich die Hühner von China über Ägypten bis nach Europa. Und – man ahnt es: Die Römer waren es, die der Hühnerhaltung eine erste Blütezeit bescherten. Auch im Mittelalter war die Hühnerhaltung weit verbreitet. Die Zweibeiner dienten in den Zeiten von schönen Parks und Gärten des Barocks als exotische Zierde.

Eier und Fleischlieferanten

Mittlerweile gibt es über 180 Hühnerrassen. Zu jenen, die auf dem Teller landen, gehören zum Beispiel die schweren Brahma oder die meist gesprenkelten Mechelner. Legehühner sind zum Beispiel die goldfarbenen Brakelhühner. Wer sie halten möchte, findet im Steckbrief etwa der «Altsteirer Hühner» folgende Merkmale: frühreif, kälteunempfindlich, robust und anfängerfreundlich. Das Gewicht der Eier beträgt 55 Gramm, und ja: auch fliegen können die Tiere. Sie leben in einer komplexen Sozialstruktur, die sich Hackordnung nennt. Ein Huhn erkennt mehr als 100 Artgenossen und schliessen sogar Freundschaften mit anderen Hühnern!

Die Künstlerin und die Hühner

Eine Künstlerin, die Hühner in ihr Herz geschlossen hat ist Bettina Reichl. Sie malt die aufgeweckten Tiere, die ähnlich schlau wie Säugetiere sind, mit eindrücklich kunstvollen Pinselstrichen. Da ist das Kunstwerk «Walhalla», ein Bild 120 x 100 cm, weiss gefiedert, in Grüntönen – völlig ungewohnte Farben für ein Huhn, aber das erlaubt die Kunst. Oder das Bild «Anastasia», in rot – das Huhn sitzt und schaut einem mit einem Auge von der Seite an. «Freya» dagegen scheint sich zu schütteln, hebt die Flügel, Staub fliegt in die Luft – ganz in Blau-Weiss gehalten. Man möchte sich die Bilder zu Hause an die Wand hängen – so wunderbar exotisch sind die gemalten Tiere.

Malerei im Atelier für Ausstellungen


Die Künstlerin Bettina Reichl malt die Hühner-Kunst in ihrem Atelier. Die Bilder hängen mittlerweile in Privatwohnungen, auch auch in Firmen, Apotheken oder Arztpraxen. Mal als zeitlich begrenzte Ausstellung, mal dauerhaft. Sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland sind ihre Kunstwerke zu bewundern. Das Federvieh wird zweifelsohne unterschätzt, verfügt es doch über kognitive Fähigkeiten: Sie erinnern sich an Vergangenes, träumen im Schlaf, lernen und schlussfolgern und lösen Probleme. Und sie empfinden Schmerz. Die Künstlerin jedenfalls fängt mit ihrer Kunst all die Eigenschaften perfekt ein: Man taucht beim Betrachten der Bilder sofort ein in eine Welt, die an Natur und Bauernhof erinnert, farblich aber doch immer wieder so anders ist – genauso wie die Posen der Hennen, Hähne und der ganzen Hühnerschaar.